Trommel

Trommel / Schamanentrommel / Rahmentrommel

Die Trommel ist wohl das bekannteste Werkzeug eines Schamanen. Kaum jemand der mit dem Begriff Schamane etwas anfangen kann, hat nicht irgendwie auch eine Trommel im Hinterkopf.

Und in der Tat ist die Trommel ein sehr wichtiger Begleiter eines Schamanen. Sie verhilft ihm in Trance und auf der schamanischen Reise in die Anderswelt zu gehen.

Zwar ist eine Trommel dazu nicht zwingend notwendig, ein Schamane kann sich auch ohne Hilfsmittel mit der geistigen Welt verbinden. Aber sie hilft ihm, schafft einen definierten Rahmen und bindet auch seine Klienten in die Arbeit mit ein.

Und je nach kulturellem Hintergrund wird das Trommeln auch von ihm erwartet, so dass seine Arbeit nur angenommen werden kann, wenn er diese Erwartung erfüllt. Man stelle sich einen katholischen Gottesdienst vor, bei dem der Priester die Hälfte weglässt … die Besucher würden seine Arbeit ablehnen.

Wie so eine Trommel beschaffen sein muss, ist kulturell sehr unterschiedlich. Je traditioneller der Schamane ist, desto mehr hat er zu beachten. So fordern einige schamanische Kulturen die Fertigung aus einem heiligen Baum unter Einhaltung mannigfaltiger Rituale die von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Während der moderne Europäische Schamane dabei viel mehr nach dem gehen darf, was er direkt aus der geistigen Welt erfährt.

Denn hierzulande haben wir ja kaum noch eine durchgehende Tradition der wir strikt folgen müssten.

Das erklärt die vielen verschiedenen Herangehensweisen an die Schamanentrommel und generell an den Schamanismus.

Spielweise

Die Schamanentrommel wird meistens mit einem Trommelschlegel, seltener auch mit der bloßen Hand angeschlagen. Und zwar in einem gleichbleibenden Rhythmus, der mit der Zeit eine leichte Trance erzeugt.

Dieser gleichbleibende Rhythmus liegt bei einer Frequenz zwischen 4 und 8 Hz. Diese Frequenz verstärkt die Theta-Wellen die in diesem Zustand im Gehirn messbar sind.

Diese Zustände wurden schon mehrfach wissenschaftlich untersucht, freilich immer nur in Bezug auf messbare körperliche Empfindungen und Phänomene, aber immerhin.

Der Schamane kann sich mit seiner Trommel nicht nur in eine leichte Trance versetzen, sondern auch in die komplette Ekstase, je nachdem in welchem Kulturkreis er wirkt und was von ihm erwartet wird.

Dabei „spielt“ der Schamane nicht wirklich die Trommel, vielmehr gibt er sich der Trommel und der Anderswelt hin, bzw. er arbeitet mit der Trommel zusammen. So ist vorher nie genau bestimmbar in welcher Frequenz er genau trommeln wird und der Rhythmus sowie Tonhöhe und Lautstärke können beim Trommeln variieren ohne dass der Schamane das bewusst beeinflussen würde.

Wie komme ich zu einer Schamanentrommel?

An dieser Frage scheiden sich die Geister und die Antworten können schon mal extrem ausfallen.

Die einen würden am liebsten in den Wald gehen, den Baum für das Holz fällen, dann mit der bloßen Hand einen Hirsch erlegen, ihn abziehen und die Haut bearbeiten.

Danach mit Äxten den Baum zerlegen, aus dem vollen Holz einen Rahmen bauen und ihn nackt, gen Osten gewandt, um Mitternacht an einem Hohlweg mit der Haut bespannen. Dabei heilige Lieder singen und die Trommel danach nur noch in geweihten Momenten benutzen.

Andere sagen: „kauf dir halt eine bei Amazon“.

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und muss von jedem der eine Trommel haben will, selbst herausgefunden werden. Dem eigenen Gefühl zu folgen ist dabei sicher ein guter Ansatz.

Wer Lust dazu hat, kann sich selber eine bauen. Es gibt diverse Anleitungen im Netz und auch Seminare und Kurse. Ich selbst biete regelmäßig einen Trommelbaukurs an, siehe: Trommelbau-Seminar

Wer keine Lust hat, sich eine selbst zu bauen, der kauft sich eben eine. Ob es eine Trommel vom Flohmarkt wird oder eine, die von einem Schamanen gebaut wurde, darf jeder selbst entscheiden. Hier geht es zu den von mir gebauten und zum Verkauf stehenden Trommeln: Trommeln & Rasseln

Rahmentrommel

Von Schamanen verwendete Trommeln sind in der Regel Rahmentrommeln, also Trommeln mit flachen Rahmen die einseitig, oder eher selten auch beidseitig, mit Trommelfell, also einer ungegerbten Tierhaut, bespannt sind.

In Musikerkreisen ist die Unterscheidung zwischen Rahmentrommel und Zylindertrommel sogar definiert und zwar in der sog. Hornbostel-Sachs-Systematik. Diese besagt dass bei einer Rahmentrommel die Höhe des Rahmens maximal der Fellradius sein darf. Alles darüber ergibt dann eine Zylindertrommel.

Das spielt für den Schamanen aber eher keine Rolle, die meisten Schamanentrommeln liegen von der Rahmenhöhe her weit unter dieser Grenze.

Der Rahmen muss nicht zwingend rund sein, er kann alle Formen annehmen die technisch herstellbar sind. Die gebräuchlichste Form dürfte der Kreis sein, dicht gefolgt von Vielecken mit der unterschiedlichsten Eckenzahl.

Auch unregelmäßig geformte Rahmen sind bekannt, zum Beispiel welche die aus gewachsenen Baumscheiben gefertigt sind. Selten und daher sehr exklusiv sind dreieckige Rahmentrommeln die einen ganz besonderen Klang erzeugen

Angeschlagen werden Rahmentrommeln entweder mit einem Schlegel oder mit der Hand. Die Bauarten der Schlegel unterscheiden sich stark, von Leder über Filz und Kork bis zu Kombinationen daraus ist alles denkbar das einen guten Klang erzeugt.

Zuweilen werden am oder im Rahmen zusätzlich Zimbeln, Glöckchen, Schellen oder Ringe aus Metall befestigt, die beim Trommeln mitschwingen und zusätzliche Geräusche machen.

Die Rahmentrommel dürfte eine der ältesten Trommeltypen überhaupt sein, man kennt Darstellungen aus Mesopotamien aus der Zeit um 3000 v. Chr. Auf diesen Darstellungen sieht man Frauen die beidseitig bespannte Rahmentrommeln vor sich halten. Vielleicht sind es auch Kombinationen aus Trommel und Rassel.

Ziemlich sicher handelt es sich dabei nicht um Musikinstrumente sondern um Ritualgegenstände.

Aber die Bauart hat wohl ziemlich schnell die Runde gemacht, man findet sie als Schamanentrommeln in Nordeuropa, speziell in Lappland und in ganz Asien, überwiegend in der Mongolei.

In Nord- und Südamerika ist sie ebenso gebräuchlich, man kennt Rahmentrommeln bei den Indianern und die spanischen und portugiesischen Eroberer brachten sie nach Südamerika.

Man kennt sie auch im Orient. Hier aber eher als Musikinstrument, das mit den Fingern angeschlagen wird. Auch in Italien ist diese Bauform schon lange bekannt. Sogar im alten Testament der christlichen Bibel kommt sie vor.

Bauarten

Der Aufbau einer Rahmentrommel ist denkbar einfach. Über einen Rahmen der zumeist aus Holz besteht, aber auch aus Kunststoff oder Metall sein kann, wird eine (zumeist) enthaarte aber nicht gegerbte Tierhaut gespannt.

Die Spannung erfolgt im einfachsten Fall durch die Trocknung der Haut. Wird eine ungegerbte Tierhaut nass, dehnt sie sich aus. Spannt man sie nass über den Rahmen und lässt sie trocknen, ergibt sich die Spannung von alleine.

Die meisten Schamanentrommeln werden auf diese Art gebaut, denn sie kommt ohne große technische Spielereien aus, ohne Metallteile oder gar Kunststoff.

Der Nachteil ist die Feuchtigkeitsempfindlichkeit dieser Trommeln. Ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch oder wird sie nass, sinkt die Spannung und der Trommelklang wird tiefer, bzw. sie klingt gar nicht mehr weil die Spannung weg ist.

Dann muss sie erst wieder getrocknet werden, indem man sie in die Sonne legt, im heimischen Wohnzimmer aufbewahrt oder ans Feuer hält. Schamanen schätzen diese Eigenschaften aber sogar, denn eine Trommel ist kein „toter“ Gegenstand sondern ein lebendes Wesen das eben nicht immer und zu jeder Zeit verfügbar ist.

Zu musikalischen Zwecken werden Rahmentrommeln mit Stimmschrauben versehen, mit denen die Spannung der Trommelhaut eingestellt werden kann. So können sie auf andere Instrumente abgestimmt werden. Für schamanische Zwecke sind stimmbare Trommeln natürlich genauso verwendbar.

In letzter Zeit gibt es auch Bauformen mit eingelegten Fahrradschläuchen die über eingepumpten Luftdruck die Haut spannen. Ob man schamanisch arbeiten möchte, mit einer Trommel die einen Gummischlauch in sich trägt, bleibt jedem selbst überlassen.

Tierleid

Ebenfalls im „Trend“ sind Kunststoffmembranen, wie man sie ja im Schlagzeugbereich schon lange verwendet. Oft werden diese Trommeln als „vegane“ Trommeln angeboten. Das Argument ist dann, dass man keine Trommel haben möchte, für die ein Tier gestorben ist.

Was als Argument allerdings kaum greift, denn die für Schamanentrommeln verwendeten Häute von Ziege, Kalb, Hirsch, Rentier etc. stammen allesamt von Tieren die zum Essen geschlachtet wurden und ganz sicher nicht um eine Trommel aus ihnen zu bauen.

Oft sind die Häute regelrechte „Abfallprodukte“ die sogar weggeworfen werden.

An sich muss das jeder für dich selbst entscheiden, auch mit einer Plastiktrommel ist schamanisches Reisen möglich.

Scroll to Top