Herbsttagundnachtgleiche / Mabon

Tag und Nacht gleich lang

Der Name sagt es ja eigentlich schon, die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche ist der Zeitpunkt an dem Tag und Nacht im Herbst genau gleich lang sind. Das klingt erstmal ziemlich unspektakulär, ist es bei näherem Hinsehen aber gar nicht.

Denn auch die Tag-und-Nacht-Gleichen sind Übergänge und Übergänge, gleich welcher Art bringen immer eine Menge Möglichkeiten, Chancen und auch Risiken mit sich.

Es ist ein Zeitpunkt, zu dem Tag und Nacht gleich lang sind, zu dem sich Licht und Dunkelheit, Aktivität und Rückzug die Waage halten, zu dem die Energie extrem ausgeglichen ist. Keine der beiden Seiten überwiegt. Die Welt scheint energetisch einen kurzen Augenblick stillzustehen.

Auf den Tag übertragen ist die Herbsttagundnachtgleiche der Sonnenuntergang. Dieser Moment in dem sich das Tageslicht und das Dunkel der Nacht die Waage halten. Irgendwie unentschieden, aber dennoch mit einer eindeutigen Tendenz zur Nacht.

Die Aktivität des Tages ist noch irgendwie da, lässt aber nach. Die Ruhe der Nacht ist schon zu spüren, hat sich aber noch nicht ganz manifestiert.

So ist es auch im Herbst. Die Aktivität des Sommers ist noch zu spüren, vieles ist noch zu tun, die Menschen sind noch ganz in die Arbeit vertieft. Aber dennoch sind die Ruhe und der Rückzug des kommenden Winters schon irgendwie zu erahnen. Der Blick kann nun in beide Richtungen gehen, in den vergangenen Sommer zurück oder voraus in die kalte Jahreszeit.

Und dann richten wir uns nach vorne und tun den ersten Schritt in den neuen Abschnitt des Jahreskreises. Wir wagen den ersten Schritt in das Dunkle, Unbekannte das vor uns liegt. Wohlwissend dass es ohnehin kommen wird und dass wir es auch dieses Mal wieder schaffen werden.

Solche Übergänge sind immer Zeitpunkte in denen die Grenze zur geistigen Welt, zur Anderswelt, dünner, nicht so genau definiert ist. Der Kontakt fällt uns leichter, wir haben die Chance das zu manifestieren was wir in unserem Leben haben wollen.

Der Jahreskreis

Zu früheren Zeiten war die Natur mit ihrem Verlauf der Jahreszeiten noch viel stärker im Leben der Menschen präsent wie das Heutzutage der Fall ist. Nur all zu oft vergessen wir in unseren klimatisierten Büros wo unsere Wurzeln liegen.

Weshalb der bewusste Umgang mit dem Jahreskreis auch wieder verstärkt ins Bewusstsein der Menschen rückt. Schon aus überlieferten Erzählungen über die Kelten kennen wir Feierlichkeiten zu bestimmten Anlässen. Etwa im 18. Jahrhundert hat sich daraus das entwickelt, das wir heute unter den keltischen Jahreskreisfesten verstehen.

Weitere Infos unter: Jahreskreis …

Zeitpunkt

Es gibt zwei Tagundnachgleichen im Jahr. Eine im September und eine im März. Dabei überquert der Punkt über dem die Sonne im Zenit, also genau senkrecht, steht (der sog. subsolare Punkt), den Äquator.

Im September bewegt sich dieser Punkt von der Nordhalbkugel auf die Südhalbkugel hinüber. Das markiert den astronomischen Herbstanfang auf der Nordhalbkugel und den Frühlingsanfang auf der Südhalbkugel.

Im März ist es genau andersherum, die Sonne wandert von der Südhalbkugel wieder in den Norden hinüber, was hier bei uns auf der Nordhalbkugel den astronomischen Frühlingsanfang markiert und auf der Südhalbkugel den Herbstbeginn.

Die Tagundnachtgleichen definieren jeweils den astronomischen Frühlings- bzw. Herbstanfang. Meteorologisch liegen diese Zeitpunkte anders!

Die kommenden Termine:

  • Dienstag 22. September 2020 um 15:30 Uhr
  • Mittwoch 22. September 2021 um 21:20 Uhr
  • Freitag 23. September 2022 um 03:03 Uhr
  • Samstag 23. September 2023 um 08:49 Uhr
  • Sonntag 22. September 2024 um 14:43 Uhr

Was du tun kannst

Früher tat man den Schritt in den nächsten Abschnitt ganz bewusst und sehr feierlich. Opfergaben waren üblich um die Kräfte der geistigen Welt um Hilfe zu bitten. Es war wichtig, diesen Schritt nicht mit dem falschen Fuß zu tun.

Wobei da weniger links oder rechts gemeint ist, sondern mehr die Intention die dahintersteckt. Wollen wir die Angst vor dem Unbekannten mitnehmen oder doch lieber Vertrauen und Zuversicht?

Das ist übrigens auch gemeint, wenn man davon spricht „mit dem falschen Fuß aufgestanden zu sein“. Auch da gehts nicht um links oder rechts, sondern um die Energie die man mit in den Tag nimmt.

Der Fuß ist dabei ein Sinnbild für die große Göttin, für Mutter Erde, in der wir voller Vertrauen verwurzelt sind.

Mit diesen Gedanken kann die Herbsttagundnachtgleiche begangen werden. Mit Überlegungen was man denn mit in den neuen Abschnitt nehmen möchte? Welche Intention soll gesetzt werden? Was soll kommen, was muss gehen?

Dabei darf der Blick gerne nochmal in Dankbarkeit in die Vergangenheit schweifen. In Dankbarkeit für all das was wir geschafft haben, was erreicht wurde.

Der Blick in die Zukunft kann im Herbst zuweilen von einer Schwermut begleitet sein, auch von Angst. Angst vor der Dunkelheit, vor der Kälte, vor den eigenen Gefühlen die immer dann hochkommen wenn es draussen nicht mehr so viel Ablenkung gibt. Aber auch das darf seinen Platz haben. Angst ist nichts was man wegschieben sollte, Angst will gesehen und angenommen werden.

Es ist in Ordnung Angst zu haben. Dann haben wir auch die Kraft, dennoch den Schritt zu tun, der nötig ist um den Lauf des Jahres weiter zu durchschreiten.

Erntedankfest

Die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche war auch immer ein guter Anlass für Erntedankfeiern aller Art. Natürlich immer Abhängig davon, was gerade geerntet wurde. Oft dauerten die Feierlichkeiten bis zum ersten Vollmond nach dem Fest.

Gedankt wurde aber nicht nur für die physische Ernte sondern auch für das eigene Leben, was auch in Richtung einer Ahnenverehrung laufen konnte. Nicht in dem Maße in dem das an Samhain geschieht, aber dennoch in die Richtung gehend.

Teile der physischen Ernte wurden immer den jeweiligen Göttern geopfert, allen voran natürlich Mutter Erde oder einfach Mutter Natur. In manchen Regionen ließ man die ersten und die letzten drei Früchte auf dem Feld zurück, wenn das machbar war. Je nachdem was eben gerade angebaut wurde.

Viele dieser Feste gibt es heute noch, man denke an die großen Kartoffelfeuer nach der Kartoffelernte oder die Weinfeste nach der Weinlese.

Das Sammeln der Kräuter ist zu Mabon weitgehend abgeschlossen und die Zeit um Wurzeln und Samen zu sammeln bricht an.

Mabon

Von den Kelten, speziell denen im walisischen Raum, kennt man die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche
auch als Mabon.

Dabei war Mabon eigentlich nicht der Name des Festes sondern der eines Gottes. Mabon war der Sohn von Modron und die war niemand geringere als die Muttergöttin und die Schutzherrin der geistigen Welt. Mabon lässt sich mit „großer Sohn“ übersetzen, sein Vater war Mellt was „Blitz“ bedeutet.

Der Legende nach ist Mabon verschwunden als er erst drei Tage alt war. Seine Eltern litten natürlich furchtbar und ließen überall nach ihm suchen. Am Ende wurde er von einer Amsel, einem Hirsch und einer Eule in der Anderswelt gefunden.

Die Geschichte ist ein Sinnbild. Die Anderswelt ist der Ort an dem der Sohn der Erde als Sohn des Lichts wiedergeboren werden konnte. Das Prinzip der Anderswelt als Ort der Transformation findet sich ja auch in der Auferstehungsgeschichte von Jesus Christus wieder.

In der Anderswelt ist es wie bei der Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche, es findet eine Transformation statt. Das Alte und das Neue halten sich die Waage, bis sich diese zu Gunsten des Neuen neigt.

Nicht ganz zufällig fällt die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche mit dem Beginn des Sternzeichens Waage zusammen. Auch die Waage steht für eine Transformation. Ob sie nun mit dem Totenreich in Verbindung gebracht wird oder mit der Gerechtigkeit.

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